Pascal H. Blog
Telefonie

MicroSIP mit peoplefone einrichten — und warum eingehende Anrufe oft nicht ankommen

Veröffentlicht am · 9 Min. Lesezeit · Pascal H.

Für ein Sales-Projekt mache ich Kaltakquise und musste mir dafür eine eigene Telefonie aufsetzen. Die Anforderungen waren schlicht: eine eigene Geschäftsnummer, Anrufe direkt vom Laptop, kein zweites Handy, keine Telefonanlage und möglichst geringe Fixkosten. Die Kombination, die das leistet, sind peoplefone als Anbieter der Rufnummer und MicroSIP als Telefonprogramm — das ist kostenlos und genau auf Listenarbeit ausgelegt.

Rauswählen funktionierte nach zwanzig Minuten. Angerufen werden funktionierte danach tagelang nicht, und zwar ohne jede Fehlermeldung.

Was dieser Artikel dir bringt: Wenn du dieselbe Kombination aufsetzt oder mittendrin feststeckst, findest du hier die eine Einstellung, an der es in den meisten Fällen hängt, plus eine Reihenfolge zum Eingrenzen, falls es nicht daran liegt. Ich erkläre dabei jeden Begriff, den ich benutze — Vorwissen brauchst du keines. Was mich mehrere Tage gekostet hat, solltest du damit in einer halben Stunde erledigt haben.

Die Ausgangslage: zwei Teile, die zusammenpassen müssen

Damit du weisst, wovon im Folgenden die Rede ist:

Läuft eines dieser drei Teile nicht, telefonierst du entweder gar nicht oder nur in eine Richtung.

Die Grundeinrichtung in MicroSIP

Deine Zugangsdaten findest du im Portal unter Telefonie VoIP → Linien/Benutzer → SIP Setup. Das Passwort wird erst sichtbar, wenn du auf das Augensymbol klickst.

In MicroSIP öffnest du das Menü über den Pfeil oben rechts → Konto hinzufügen und trägst ein:

FeldWert
Kontonamefrei wählbar, z. B. peoplefone
SIP-Serversips.peoplefone.ch
SIP-Proxyleer lassen
Benutzernamedeine Nummer aus dem SIP Setup
Domainsips.peoplefone.ch
Login-Namedieselbe Nummer wie Benutzername
Passwortaus dem Portal
Anzeigenamedein Name
TransportTLS

Alle übrigen Felder — Voicemail-Nummer, Vorwahl, Wahlschema — bleiben leer. Nach dem Speichern muss unten links im MicroSIP-Fenster Online stehen.

MicroSIP-Hauptfenster mit grünem Online-Status
Steht hier Online, ist die Verbindung zum Anbieter aufgebaut.

Die wichtigste Einstellung: Transport auf TLS

Das Feld Transport legt fest, auf welchem Weg dein Programm mit dem Anbieter spricht. Zur Auswahl stehen UDP, TCP und TLS. Die meisten Anleitungen — auch die gängigen für peoplefone — nennen UDP. Damit funktionieren ausgehende Anrufe einwandfrei, und genau deshalb fällt lange nicht auf, dass etwas fehlt.

Bei eingehenden Anrufen ist UDP aber die häufigste Ursache für Stille. Der Grund liegt an deinem Router:

Dass der Server sips.peoplefone.ch heisst, passt dazu: Das „s" steht für die verschlüsselte, dauerhafte Verbindung.

Praxistipp

Wenn du gerade einrichtest: Stell Transport von Anfang an auf TLS, nicht auf UDP. Bei mir war das die einzige Änderung, die es am Ende gebraucht hat — alle anderen Werte stehen bis heute auf den Standardeinstellungen.

MicroSIP Konto-Fenster mit Transport auf TLS
Transport auf TLS — die entscheidende Einstellung. Register und Keep-Alive können auf den Standardwerten bleiben.

Wenn es trotzdem nicht klingelt: so grenzt du ein

Wenn TLS allein nicht reicht, such nicht wahllos in den Einstellungen. Geh diese drei Stufen der Reihe nach durch — du weisst nach jeder Stufe mehr und sparst dir alle Schritte danach, wenn du fündig wirst.

Stufe 1: Kommt der Anruf beim Anbieter überhaupt an?

Lass dich anrufen und schau danach im Portal in die Anrufliste. Du findest sie unter Telefonie VoIP — alternativ zeigt dir MicroSIP unter dem Reiter Anrufe dieselbe Information. Eingehende Anrufe erkennst du am nach innen zeigenden Pfeil, ausgehende am nach aussen zeigenden.

Was du siehstWo das Problem liegtWeiter bei
gar kein eingehender Anrufvor dem AnbieterStufe 2
Anruf mit FehlermeldungRouting oder ProgrammStufe 2, dann 3
Anruf normal, aber nichts klingeltProgramm oder RouterStufe 3
MicroSIP-Anrufliste mit ausschliesslich ausgehenden Anrufen
Ausschliesslich ausgehende Anrufe: eindeutiger Befund, dass eingehende gar nicht erst ankommen.
MicroSIP-Anrufliste mit einem eingehenden Anruf oben
So sieht es aus, wenn es funktioniert: der eingehende Anruf erscheint in der Liste.

Stufe 2: Vier Einstellungen im peoplefone Kundenportal

Diese vier hakst du in zwei Minuten ab. Solange eine davon klemmt, bringt jede Änderung am Programm nichts.

  1. Rufnummer vorhanden und aktiv — unter Telefonie VoIP → Nummern. Eine reservierte, aber noch nicht freigeschaltete Nummer verhält sich exakt wie eine kaputte Einstellung.
  2. Feld „Ziel" gesetzt — in derselben Ansicht die Nummer zum Bearbeiten öffnen. Im Feld Ziel muss die Linie stehen, an der dein Programm angemeldet ist. Das ist die eigentliche Einstellung für eingehende Anrufe; einen Knopf namens „Inbound aktivieren" gibt es nicht.
  3. Keine Weiterleitung aktiv — unter Telefonie VoIP → Weiterleitungen/Voicemail. Eine Umleitung fängt den Anruf ab, bevor dein Rechner klingeln kann.
  4. Sperrliste leer — unter Telefonie VoIP → Sperrliste. Dort gibt es zusätzlich ein Häkchen, das als Werbeanruf gekennzeichnete Anrufe abweist. Das sollte nicht gesetzt sein.
peoplefone Kundenportal mit markiertem Menüpunkt Weiterleitungen/Voicemail
Alle Einstellungen für eingehende Anrufe liegen im linken Menü unter Telefonie VoIP.

Drei Dinge, an denen du dich nicht aufhalten musst:

Stufe 3: Zusätzliche Einstellungen in MicroSIP

Erst wenn Stufe 1 und 2 sauber sind, kommen diese drei Werte dran — in dieser Reihenfolge, einzeln, mit einem Testanruf nach jedem Schritt:

  1. Register aktualisieren auf 60. Das ist der Abstand, in dem sich dein Programm beim Anbieter zurückmeldet: „Ich bin noch da." Standard sind 300 Sekunden. Manchen Routern ist das zu lang — sie schliessen die Tür vorher.
  2. „IP-Rewrite zulassen" anhaken. Dein Programm glaubt zu wissen, unter welcher Adresse es erreichbar ist, liegt hinter einem Router aber oft daneben. Mit diesem Häkchen übernimmt es stattdessen die Adresse, die der Anbieter tatsächlich sieht. Verwandt dazu ist die Option IP-Änderungen handhaben in den allgemeinen Einstellungen — die ist üblicherweise bereits aktiv.
  3. STUN aktivieren. STUN ist ein kostenloser Hilfsdienst, der deinem Programm mitteilt, wie es von aussen erreichbar ist.

Nach jeder Änderung MicroSIP komplett beenden — auch unten rechts neben der Uhr per Rechtsklick. Nur das Fenster zu schliessen genügt nicht, die Einstellungen werden dann nicht neu geladen.

STUN richtig einrichten (und der Fehler, der dich offline nimmt)

Beim Thema STUN gibt es eine Stolperfalle, die dafür sorgt, dass gar nichts mehr geht. Sie kostet einen unnötigen Umweg, wenn man sie nicht kennt.

Die Adresse des STUN-Dienstes gehört nicht ins Konto-Fenster, sondern in die allgemeinen Einstellungen. Also:

  1. Menü oben rechts → Einstellungen (Strg+P)
  2. Ganz unten links das Feld STUN-Server: Häkchen setzen und stun.l.google.com:19302 eintragen
  3. Speichern
  4. Erst danach im Konto-Fenster bei Öffentliche Adresse den Eintrag Stun aus dem Auswahlmenü wählen
MicroSIP-Einstellungen mit markiertem Feld STUN-Server
Der STUN-Server wird global hinterlegt, nicht im Konto-Fenster.

Der Fehler, den man dabei leicht macht: die Adresse direkt in das Feld Öffentliche Adresse zu schreiben. Das Programm nimmt den Text dann wörtlich als deine eigene Adresse — und der Status springt sofort von Online auf Offline.

Öffentliche Adresse: stun.l.google.com:19302   ← falsch, Programm geht offline
Öffentliche Adresse: Stun                      ← richtig, Auswahl aus dem Menü
Aufgeklapptes Auswahlmenü Öffentliche Adresse mit Auto und lokaler IP
Hier gehört der Menüpunkt «Stun» hinein — nicht die Adresse des STUN-Servers.

Passiert es dir trotzdem: Auto auswählen, speichern, MicroSIP neu starten. Danach steht der Status wieder auf Online.

Richtig testen

Der Test entscheidet darüber, ob du der Sache traust — und schlechte Tests führen in die Irre.

Diese eine Rückfrage kann dir mehrere Stunden Suche an der falschen Stelle ersparen.

Nicht vergessen: der Anrufbeantworter

Ein Programm auf dem Laptop ist nur erreichbar, solange der Laptop läuft und das Programm offen ist. Alles andere fängt eine Voicemail oder eine Weiterleitung aufs Handy ab — einzurichten im Portal unter Telefonie VoIP → Weiterleitungen/Voicemail.

Prüf dabei die Einstellung Zustellung der Sprachnachricht. Steht sie auf „Keine Nachricht hinterlegen", hören Anrufer zwar eine Ansage, können danach aber nichts sagen. Für jemanden, der dich erreichen will, ist das ungefähr so nützlich wie gar nichts.

Fazit

Die Einrichtung selbst dauert zwanzig Minuten. Zeitfresser ist ausschliesslich der Umstand, dass eingehende Anrufe still scheitern: kein Klingeln, keine Fehlermeldung, kein Eintrag auf dem eigenen Rechner. Wer dann anfängt, wahllos Einstellungen zu ändern, sucht im Dunkeln.

Die Kurzfassung:

Bei mir läuft es heute mit TLS und ansonsten reinen Standardwerten: Register auf 300, kein STUN, kein IP-Rewrite im Konto. Mehr braucht es in den meisten Fällen nicht.

SIP-Server:   sips.peoplefone.ch
SIP-Proxy:    (leer lassen)
Domain:       sips.peoplefone.ch
Transport:    TLS
Pascal H.
Pascal H.

Freelancer aus dem DACH-Raum. Hier teile ich, was ich aus meinen Projekten lerne.

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