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Gleiche Suche, andere Ergebnisse: Google-Suchergebnisse aus der Schweiz und aus Deutschland vergleichen

Veröffentlicht am · 9 Min. Lesezeit · Pascal H.

Wer in Singen „Reifenservice Singen" sucht, bekommt andere Google-Suchergebnisse als jemand in Schaffhausen. Wie gross der Unterschied ist, lässt sich mit SerpApi und zwei Kopiervorgängen prüfen, ganz ohne Automatisierung.

Viele Betriebe im deutschen Grenzgebiet haben einen erheblichen Teil ihrer Kundschaft aus der Schweiz. Ihre Darstellung in Google prüfen sie aber vom eigenen Standort aus: Browser öffnen, Namen eintippen, erster Platz, alles gut. Der Kunde aus Schaffhausen sucht aber nicht von der Werkstatt aus. Er bekommt andere Suchergebnisse, eine andere Reihenfolge und oft einen Kartenblock, in dem der Betrieb weiter unten steht oder gar nicht mehr vorkommt.

Ich habe diesen Vergleich anfangs komplett von Hand gemacht, bevor ich ihn automatisiert habe. Das dauert pro Suchbegriff etwa zehn Minuten und braucht kein technisches Vorwissen. Hier zeige ich, warum sich die Ergebnisse unterscheiden, wie gross der Unterschied an einem echten Beispiel ist und wie du den Vergleich selbst durchführst.

Warum der Standort die Suchergebnisse verändert

Google zeigt nicht allen dasselbe. Drei Faktoren sind für lokale Suchen entscheidend:

Warum du das nicht im eigenen Browser prüfen kannst

Der naheliegende Weg wäre, einfach selbst zu googeln. Das Ergebnis ist aber verfälscht: Google kennt deinen Standort, deinen Suchverlauf und deine bisherigen Klicks. Auch der Inkognito-Modus ändert am Standort nichts. Ein VPN mit Schweizer Server hilft nur teilweise, weil Google die IP-Adresse oft grob einer Region zuordnet und nicht einer bestimmten Stadt.

SerpApi löst das Problem. Der Dienst führt echte Google-Suchen von einem Standort aus, den du selbst festlegst, und liefert das Ergebnis ohne Personalisierung.

Schritt für Schritt: der Vergleich ohne Automatisierung

1. Die Testsuche von SerpApi öffnen

Auf serpapi.com gibt es für die Google Search API eine Testsuche direkt auf der Produktseite. Sie hat zwei Felder: „Search Query" für den Suchbegriff und „Location" für den Standort. Die passende Google-Version und das Land stellt SerpApi automatisch ein, sobald du einen Ort auswählst. Für einzelne Vergleiche reicht das völlig. Wer regelmässig prüft, legt ein kostenloses Konto an, das 250 Suchen pro Monat enthält.

2. Die erste Suche: aus Deutschland

Trage den Suchbegriff ein, den ein Kunde verwenden würde, in meinem Beispiel „Reifenservice Singen". Als Standort wählst du einen Ort auf deutscher Seite aus der Liste, hier „Singen, Baden-Wurttemberg, Germany". Dann auf „Test Search" klicken.

SerpApi-Testsuche mit Standort Singen: links die Google-Ansicht, rechts das JSON
Testsuche mit Standort Singen: links die Google-Ansicht, rechts dasselbe Ergebnis als JSON.

Links siehst du die Google-Seite so, wie sie ein Nutzer in Singen sieht. Rechts steht dasselbe Ergebnis als JSON, also als strukturierte Textdaten. Zwei Bereiche sind wichtig: local_results enthält den Kartenblock, organic_results die normalen Suchergebnisse. Unter search_parameters kannst du ausserdem prüfen, welche Google-Version verwendet wurde.

Kopiere das komplette JSON über den Kopier-Button und speichere es in einer Textdatei, zum Beispiel suche-de.txt. Die Datei wird lang, bei mir waren es über 80'000 Zeichen.

Das kopierte JSON in einer Textdatei mit über 82'000 Zeichen
Das kopierte JSON in einer Textdatei. Unten links steht die Zeichenzahl — hier 82'456.

3. Die zweite Suche: aus der Schweiz

Jetzt änderst du nur den Standort, hier auf „Schaffhausen, Schaffhausen, Switzerland". Den Suchbegriff lässt du exakt gleich. Wenn du auch nur ein Wort anders schreibst, vergleichst du zwei verschiedene Suchen, und das Ergebnis ist wertlos. JSON wieder kopieren und als suche-ch.txt speichern.

SerpApi-Testsuche mit Standort Schaffhausen, identischer Suchbegriff
Dieselbe Suche mit Standort Schaffhausen. Im JSON steht jetzt google.ch statt google.de.
Praxistipp

Führe beide Suchen direkt nacheinander aus. Google-Platzierungen schwanken von Tag zu Tag. Ein Vergleich zwischen einer Suche vom Montag und einer vom Donnerstag zeigt teilweise Schwankungen statt Standortunterschiede. Meine beiden Suchen lagen zwei Minuten auseinander.

4. Beide Ergebnisse mit Claude auswerten

Die JSON-Dateien sind für Menschen mühsam zu lesen. Deshalb füge ich beide Texte in einen Chat mit Claude ein und gebe eine klare Anweisung dazu:

„Hier sind zwei SerpApi-Ergebnisse für denselben Suchbegriff. Das erste stammt aus Singen (google.de), das zweite aus Schaffhausen (google.ch). Vergleiche die Anzeigen, den Kartenblock und die organischen Suchergebnisse. Zeige in einer Tabelle, welcher Betrieb auf welcher Seite auf welchem Platz steht, und markiere, wer aus Schweizer Sicht abfällt oder ganz verschwindet."

Chat mit Claude: beide JSON-Dateien eingefügt, darunter die Anweisung
Beide JSONs als Anhang, die Anweisung darunter: welche Bereiche verglichen werden und wie die Tabelle aussehen soll.

Claude liefert daraus eine Tabelle mit den Platzierungen auf beiden Seiten. Prüfe kurz, ob die Anzahl der Einträge im Kartenblock mit der Google-Ansicht in SerpApi übereinstimmt. Je nach Suche ist der Kartenblock im JSON unterschiedlich verschachtelt.

Das Beispiel: „Reifenservice Singen"

Singen liegt rund 20 Kilometer von Schaffhausen entfernt. Ich habe die Suche „Reifenservice Singen" einmal aus Singen und einmal aus Schaffhausen ausgeführt. Der Suchbegriff enthält den Ortsnamen, die Person aus Schaffhausen sucht also ausdrücklich eine Werkstatt in Singen.

Google-Ergebnisseite für Reifenservice Singen, gesucht aus Singen
Aus Singen: keine Anzeigen, sechs Betriebe im Kartenblock.
Google-Ergebnisseite für Reifenservice Singen, gesucht aus Schaffhausen
Aus Schaffhausen: drei Anzeigen zuoberst, vier Betriebe im Kartenblock.

Anzeigen

Aus Singen gesucht, erscheint keine einzige Anzeige. Aus Schaffhausen gesucht, stehen ganz oben drei bezahlte Anzeigen, von Euromaster, REIFF und CHECK24, und am Seitenende eine weitere. Bevor der Schweizer Nutzer den ersten Betrieb im Kartenblock sieht, scrollt er an drei Werbeanzeigen vorbei.

Kartenblock

Hier sind die Unterschiede am grössten:

Betriebaus Singenaus Schaffhausen
MTS Reifen-Räder-Zubehör (113 Bewertungen)14
Vergölst Singen (206 Bewertungen)2nicht vorhanden
Euromaster Singen (231 Bewertungen)31, als Anzeige
Mobiler Reifenservice (4 Bewertungen)43
KFZ-Reifendienst Da Angelo (18 Bewertungen)52
Storz Reifendienst (26 Bewertungen)6nicht vorhanden

Aus Singen zeigt Google sechs Betriebe, aus Schaffhausen nur vier. Den ersten Platz im Schweizer Kartenblock hat sich Euromaster gekauft, der Eintrag ist als gesponsert markiert. Der Betrieb, der in Singen ganz oben steht, rutscht auf den letzten Platz. Vergölst, in Singen auf Platz zwei und mit den zweitmeisten Bewertungen, taucht aus Schaffhausen im Kartenblock gar nicht auf. Dafür rücken zwei kleine Betriebe mit wenigen Bewertungen nach vorne. Anzahl Bewertungen und Platzierung vor Ort sagen also wenig darüber aus, wie ein Betrieb aus der Schweiz dasteht.

Organische Suchergebnisse

Hier sind die Verschiebungen kleiner. Die Website von MTS steht auf beiden Seiten auf Platz eins. Reifendienst Bach fällt von Platz zwei auf Platz fünf, und die Website von REIFF, in Singen auf Platz acht, fehlt in der Schweizer Liste. REIFF erscheint dort nur als Anzeige.

Zwei Details zeigen, wie konsequent Google die Seite für Schweizer Nutzer umbaut: Aus Schaffhausen wird MTS als „Pneugeschäft" bezeichnet statt als „Reifengeschäft", und Telefonnummern erscheinen mit der Vorwahl +49 und dem Zusatz „Deutschland" in der Adresse.

Die Erkenntnisse

Grenzen des manuellen Vergleichs

Ein einzelner Vergleich ist eine Momentaufnahme. Für eine belastbare Aussage solltest du mehrere Suchbegriffe prüfen und die Suche nach ein paar Tagen wiederholen. Ausserdem simuliert SerpApi einen Standort, nicht ein bestimmtes Handy mit Standortfreigabe. Die Tendenz stimmt, der exakte Platz kann für einzelne Nutzer abweichen.

Wer das für viele Betriebe oder Städte gleichzeitig braucht, stösst mit Kopieren und Einfügen schnell an Grenzen. Ich habe den Ablauf deshalb später in n8n automatisiert. Für den Einstieg und für die Frage „Wie sehe ich aus der Schweiz aus?" reicht der manuelle Weg aber völlig.

Fazit

Der Vergleich braucht zwei Suchen, zwei Kopiervorgänge und eine klare Anweisung an Claude. Entscheidend ist, dass sich zwischen den beiden Suchen nur der Standort ändert und alles andere identisch bleibt. Das Beispiel aus Singen zeigt, was im eigenen Browser unsichtbar bleibt: Bei derselben Suche kann ein Betrieb vor Ort ganz oben stehen und für Kundschaft von der anderen Seite der Grenze auf den letzten Platz rutschen oder ganz verschwinden.

Pascal H.
Pascal H.

Freelancer aus dem DACH-Raum. Hier teile ich, was ich aus meinen Projekten lerne.

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