Gleiche Suche, andere Ergebnisse: Google-Suchergebnisse aus der Schweiz und aus Deutschland vergleichen
Wer in Singen „Reifenservice Singen" sucht, bekommt andere Google-Suchergebnisse als jemand in Schaffhausen. Wie gross der Unterschied ist, lässt sich mit SerpApi und zwei Kopiervorgängen prüfen, ganz ohne Automatisierung.
Viele Betriebe im deutschen Grenzgebiet haben einen erheblichen Teil ihrer Kundschaft aus der Schweiz. Ihre Darstellung in Google prüfen sie aber vom eigenen Standort aus: Browser öffnen, Namen eintippen, erster Platz, alles gut. Der Kunde aus Schaffhausen sucht aber nicht von der Werkstatt aus. Er bekommt andere Suchergebnisse, eine andere Reihenfolge und oft einen Kartenblock, in dem der Betrieb weiter unten steht oder gar nicht mehr vorkommt.
Ich habe diesen Vergleich anfangs komplett von Hand gemacht, bevor ich ihn automatisiert habe. Das dauert pro Suchbegriff etwa zehn Minuten und braucht kein technisches Vorwissen. Hier zeige ich, warum sich die Ergebnisse unterscheiden, wie gross der Unterschied an einem echten Beispiel ist und wie du den Vergleich selbst durchführst.
Warum der Standort die Suchergebnisse verändert
Google zeigt nicht allen dasselbe. Drei Faktoren sind für lokale Suchen entscheidend:
- Der Standort der suchenden Person. Der Kartenblock, also die Einträge mit Karte über den normalen Suchergebnissen, reagiert stark auf den Standort. Google berücksichtigt dabei nicht nur die Entfernung, sondern stellt die Auswahl für jeden Standort neu zusammen.
- Die Google-Länderversion. Wer in der Schweiz sucht, landet auf google.ch, wer in Deutschland sucht, auf google.de. Die beiden Versionen gewichten Anzeigen, Verzeichnisse und Websites unterschiedlich.
- Der Suchbegriff. Sucht jemand nur „Reifenservice", entscheidet fast ausschliesslich die Nähe, und aus der Schweiz erscheinen Schweizer Betriebe. Sucht jemand gezielt „Reifenservice Singen", hat er sich bereits für die deutsche Seite entschieden. Google zeigt dann Betriebe in Singen, aber in einer anderen Reihenfolge als für jemanden vor Ort. Genau dieser Fall ist interessant, denn hier hat der Betrieb Einfluss auf seine Platzierung.
Warum du das nicht im eigenen Browser prüfen kannst
Der naheliegende Weg wäre, einfach selbst zu googeln. Das Ergebnis ist aber verfälscht: Google kennt deinen Standort, deinen Suchverlauf und deine bisherigen Klicks. Auch der Inkognito-Modus ändert am Standort nichts. Ein VPN mit Schweizer Server hilft nur teilweise, weil Google die IP-Adresse oft grob einer Region zuordnet und nicht einer bestimmten Stadt.
SerpApi löst das Problem. Der Dienst führt echte Google-Suchen von einem Standort aus, den du selbst festlegst, und liefert das Ergebnis ohne Personalisierung.
Schritt für Schritt: der Vergleich ohne Automatisierung
1. Die Testsuche von SerpApi öffnen
Auf serpapi.com gibt es für die Google Search API eine Testsuche direkt auf der Produktseite. Sie hat zwei Felder: „Search Query" für den Suchbegriff und „Location" für den Standort. Die passende Google-Version und das Land stellt SerpApi automatisch ein, sobald du einen Ort auswählst. Für einzelne Vergleiche reicht das völlig. Wer regelmässig prüft, legt ein kostenloses Konto an, das 250 Suchen pro Monat enthält.
2. Die erste Suche: aus Deutschland
Trage den Suchbegriff ein, den ein Kunde verwenden würde, in meinem Beispiel „Reifenservice Singen". Als Standort wählst du einen Ort auf deutscher Seite aus der Liste, hier „Singen, Baden-Wurttemberg, Germany". Dann auf „Test Search" klicken.
Links siehst du die Google-Seite so, wie sie ein Nutzer in Singen sieht. Rechts steht dasselbe Ergebnis als JSON, also als strukturierte Textdaten. Zwei Bereiche sind wichtig: local_results enthält den Kartenblock, organic_results die normalen Suchergebnisse. Unter search_parameters kannst du ausserdem prüfen, welche Google-Version verwendet wurde.
Kopiere das komplette JSON über den Kopier-Button und speichere es in einer Textdatei, zum Beispiel suche-de.txt. Die Datei wird lang, bei mir waren es über 80'000 Zeichen.
3. Die zweite Suche: aus der Schweiz
Jetzt änderst du nur den Standort, hier auf „Schaffhausen, Schaffhausen, Switzerland". Den Suchbegriff lässt du exakt gleich. Wenn du auch nur ein Wort anders schreibst, vergleichst du zwei verschiedene Suchen, und das Ergebnis ist wertlos. JSON wieder kopieren und als suche-ch.txt speichern.
Führe beide Suchen direkt nacheinander aus. Google-Platzierungen schwanken von Tag zu Tag. Ein Vergleich zwischen einer Suche vom Montag und einer vom Donnerstag zeigt teilweise Schwankungen statt Standortunterschiede. Meine beiden Suchen lagen zwei Minuten auseinander.
4. Beide Ergebnisse mit Claude auswerten
Die JSON-Dateien sind für Menschen mühsam zu lesen. Deshalb füge ich beide Texte in einen Chat mit Claude ein und gebe eine klare Anweisung dazu:
„Hier sind zwei SerpApi-Ergebnisse für denselben Suchbegriff. Das erste stammt aus Singen (google.de), das zweite aus Schaffhausen (google.ch). Vergleiche die Anzeigen, den Kartenblock und die organischen Suchergebnisse. Zeige in einer Tabelle, welcher Betrieb auf welcher Seite auf welchem Platz steht, und markiere, wer aus Schweizer Sicht abfällt oder ganz verschwindet."
Claude liefert daraus eine Tabelle mit den Platzierungen auf beiden Seiten. Prüfe kurz, ob die Anzahl der Einträge im Kartenblock mit der Google-Ansicht in SerpApi übereinstimmt. Je nach Suche ist der Kartenblock im JSON unterschiedlich verschachtelt.
Das Beispiel: „Reifenservice Singen"
Singen liegt rund 20 Kilometer von Schaffhausen entfernt. Ich habe die Suche „Reifenservice Singen" einmal aus Singen und einmal aus Schaffhausen ausgeführt. Der Suchbegriff enthält den Ortsnamen, die Person aus Schaffhausen sucht also ausdrücklich eine Werkstatt in Singen.
Anzeigen
Aus Singen gesucht, erscheint keine einzige Anzeige. Aus Schaffhausen gesucht, stehen ganz oben drei bezahlte Anzeigen, von Euromaster, REIFF und CHECK24, und am Seitenende eine weitere. Bevor der Schweizer Nutzer den ersten Betrieb im Kartenblock sieht, scrollt er an drei Werbeanzeigen vorbei.
Kartenblock
Hier sind die Unterschiede am grössten:
| Betrieb | aus Singen | aus Schaffhausen |
|---|---|---|
| MTS Reifen-Räder-Zubehör (113 Bewertungen) | 1 | 4 |
| Vergölst Singen (206 Bewertungen) | 2 | nicht vorhanden |
| Euromaster Singen (231 Bewertungen) | 3 | 1, als Anzeige |
| Mobiler Reifenservice (4 Bewertungen) | 4 | 3 |
| KFZ-Reifendienst Da Angelo (18 Bewertungen) | 5 | 2 |
| Storz Reifendienst (26 Bewertungen) | 6 | nicht vorhanden |
Aus Singen zeigt Google sechs Betriebe, aus Schaffhausen nur vier. Den ersten Platz im Schweizer Kartenblock hat sich Euromaster gekauft, der Eintrag ist als gesponsert markiert. Der Betrieb, der in Singen ganz oben steht, rutscht auf den letzten Platz. Vergölst, in Singen auf Platz zwei und mit den zweitmeisten Bewertungen, taucht aus Schaffhausen im Kartenblock gar nicht auf. Dafür rücken zwei kleine Betriebe mit wenigen Bewertungen nach vorne. Anzahl Bewertungen und Platzierung vor Ort sagen also wenig darüber aus, wie ein Betrieb aus der Schweiz dasteht.
Organische Suchergebnisse
Hier sind die Verschiebungen kleiner. Die Website von MTS steht auf beiden Seiten auf Platz eins. Reifendienst Bach fällt von Platz zwei auf Platz fünf, und die Website von REIFF, in Singen auf Platz acht, fehlt in der Schweizer Liste. REIFF erscheint dort nur als Anzeige.
Zwei Details zeigen, wie konsequent Google die Seite für Schweizer Nutzer umbaut: Aus Schaffhausen wird MTS als „Pneugeschäft" bezeichnet statt als „Reifengeschäft", und Telefonnummern erscheinen mit der Vorwahl +49 und dem Zusatz „Deutschland" in der Adresse.
Die Erkenntnisse
- Platz eins vor Ort heisst nichts für die Schweiz. Der Betrieb, der aus Singen den Kartenblock anführt, steht aus Schaffhausen auf dem letzten Platz. Wer nur vom eigenen Standort aus prüft, merkt davon nichts.
- Aus der Schweiz wird mehr Werbung geschaltet. Aus Schaffhausen gab es vier Anzeigen, aus Singen keine. Offenbar lohnt es sich für grössere Anbieter, gezielt Schweizer Suchende anzusprechen. Für kleine Betriebe heisst das: Sie konkurrieren auf der Schweizer Seite nicht nur mit dem Nachbarn, sondern auch mit bezahlten Anzeigen.
- Man kann ganz verschwinden. Zwei von sechs Betrieben fehlen im Schweizer Kartenblock komplett, darunter einer mit über 200 Bewertungen. Für den Kunden aus Schaffhausen existieren sie in dieser Suche nicht.
- Die Konkurrenz sind die Nachbarn. Bei einer Suche mit Ortsnamen zeigt Google auch aus der Schweiz nur Betriebe aus Singen. Der Kunde geht also nicht zurück in die Schweiz, sondern zum Betrieb zwei Strassen weiter, der aus Schweizer Sicht besser platziert ist.
- Die Website trägt. Organisch sind die Unterschiede kleiner als im Kartenblock. Eine gut gepflegte Website hält ihre Position auch dann, wenn der Eintrag im Kartenblock abrutscht.
Grenzen des manuellen Vergleichs
Ein einzelner Vergleich ist eine Momentaufnahme. Für eine belastbare Aussage solltest du mehrere Suchbegriffe prüfen und die Suche nach ein paar Tagen wiederholen. Ausserdem simuliert SerpApi einen Standort, nicht ein bestimmtes Handy mit Standortfreigabe. Die Tendenz stimmt, der exakte Platz kann für einzelne Nutzer abweichen.
Wer das für viele Betriebe oder Städte gleichzeitig braucht, stösst mit Kopieren und Einfügen schnell an Grenzen. Ich habe den Ablauf deshalb später in n8n automatisiert. Für den Einstieg und für die Frage „Wie sehe ich aus der Schweiz aus?" reicht der manuelle Weg aber völlig.
Fazit
Der Vergleich braucht zwei Suchen, zwei Kopiervorgänge und eine klare Anweisung an Claude. Entscheidend ist, dass sich zwischen den beiden Suchen nur der Standort ändert und alles andere identisch bleibt. Das Beispiel aus Singen zeigt, was im eigenen Browser unsichtbar bleibt: Bei derselben Suche kann ein Betrieb vor Ort ganz oben stehen und für Kundschaft von der anderen Seite der Grenze auf den letzten Platz rutschen oder ganz verschwinden.
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